Groß geworden mit “Herrn Kaiser“, „Anwalts Liebling“ und „hoffentlich Allianz versichert“, nun umworben mit meinem „Fels in der Brandung“ und „Träume brauchen Sicherheit“, sollen diese Slogans vor allem eines, Verunsicherung nehmen und Sicherheit suggerieren. Gut und schön, aber ist das noch up-to-date ?
Ich las vor einiger Zeit in der FAZ ein Interview mit Oliver Bäte, der sein Unternehmen sehr erfolgreich führt. Er mahnte an, dass wir die Zukunft gestalten sollten, es aber nicht tun. Bleibt es bei Worten oder wagen Versicherungen allen voran die Allianz den Schritt in die Zukunft ?
Kein Gedankenexperiment.
Krankenversicherung: Einige Versicherungen bieten Rabatte an, wenn Gesundheits- und Aktivitätsdaten regelmäßig übermittelt werden. Wenn eine Versicherung diese Daten auswerten kann, kann ich es auch. Ich weiß dann, wie lange, wie oft ich meine Knochen beim Joggen belasten darf. Ich werde wissen, welche Arterien beginnen zu verstopfen. Mein Arzt wird mir sagen, was ich dagegen tun kann.
Kfz-Versicherung: Auch hier wird an der Prämienreduzierung durch Lieferung von Information zum Fahrverhalten gearbeitet. Allein 40.000 Telematik-Tarifeschloss die HUK im letzten Jahr ab. Wenn parallel das Auto permanent zudem Daten sendet über den Verschleiß seiner Teile plus Informationen zur Verkehrslage, wozu dann noch eine Versicherung?
Lebensversicherung: Lebensversicherungen dienen nur noch als Absicherung für Kredite; dies übernimmt demnächst die Bank oder ein FinTech.
Hausrat-Versicherung: Ist mein Haus vernetzt (Smart Home), zeigt es mir über diverse Sensoren alle nötigen Informationen an. Wasserrohre melden, dass sie bald verstopfen, Waschmaschinen, dass Schläuche brüchig werden, Fahrstühle, dass Wartungen anstehen, Dächer, dass es Löcher gibt.
Diebstahl- und Einbruchsversicherung: Mein Smart Home informiert mich auch, ob es Einbruchsversuche gab. Per Kamera bekomme ich jeden davon mit, wenn der Versuch nicht schon per „predictive policing“ vereitelt wurde.
Cyberversicherung: Nichts anderes passiert in der Online-Welt, ob im Firmen- oder im privaten Netz nutze ich Sensoren, die mir Anomalien und Besonderheiten im Netz mitteilen.
Sogar um Wetterkapriolen zu vermeiden, gibt es erste Lösungen. Man denke nur an Olympia in Peking und den blauen Himmel.
Ist es ethisch aber vertretbar insbesondere Gesundheitsdaten zu teilen, werden nun einige bemerken. Theoretisch sollte man darüber nachdenken. Praktisch werden diese Daten schon von vielen geteilt, auch Versicherungen probieren, an diese verfügbaren Informationen zu kommen. Es bliebe, die Digitalisierung zu stoppen. Nur wer will das ? Ich nicht. Schon deshalb nicht, weil Digitalisierung die Möglichkeit bietet, Risiken deutlich zu minimieren und unsere Ängste zu reduzieren. So wird das Versichern gegen Unvorhergesehenes und Risiken im Zuge der Digitalisierung obsolet. Wir sparen uns künftig Versicherungen. Gut für die Versicherten, schlecht für die Assekuranz.
Gegenwärtig versuchen Versicherungen mit Hilfe der Digitalisierung, ihre Prozesse und Risikoberechnungen zu optimieren. Langfristig muss ihnen – wie Bäte forderte – ein Wandel mit neuen Geschäftsideen gelingen. Ansonsten, adieu Assekuranz.
Es gibt nur eine Versicherung, die für einige Zeit noch sinnvoll sein wird.
Die Haftpflicht-Versicherung – denn wir wissen nicht, was wir tun !