Nix Neues – oder doch ?

Gaming und Sicherheit aus Sicht der Entwickler/ Hersteller

Für Entwickler/Spielehersteller ist Sicherheit ein Muss, um den Erfolg ihres Spiels zu sichern, denn Sicherheitsvorfälle können das Image eines Spiels und die Reputation des Unternehmens schädigen.
 
Sicherheit im Game-Dev: Nicht nur nice-to-have, sondern Game-Changer!
Mal platt gesagt: Stell dir vor, du hast ein Spiel entwickelt, das die Leute lieben. Aber dann? Hacker-Angriffe, Datenlecks, Cheater, die alles ruinieren.  Image im Keller, Spieler sauer, und du hast einen Haufen Support-Tickets am Hals. Das muss nicht sein! Sicherheit ist kein lästiges Extra, sondern der Turbo für Erfolg 🙂
Regeln, Regeln, Regeln
Klar, die DSGVO ist manchmal anstrengend, aber sie ist sehr wichtig. Und es gibt noch mehr Regeln, besonders international. Also, mach deine Hausaufgaben und sorge dafür, dass dein Spiel gesetzeskonform ist.
Spieler-Vertrauen: Der ultimative Highscore!
Spieler wollen, dass ihre Daten sicher sind. Logisch. Wenn sie dir vertrauen, bleiben sie länger, empfehlen dein Spiel weiter und du sparst dir Support-Kosten. Win-win!
Nun schau Dir an, was für Bedrohungen es gibt und was Du dagegen tun kannst. Damit du nicht so lang lesen musst – Zeit ist Geld – gibt es die Maßnahmen in Stichpunkten.
 
1. Bedrohung: Cyberangriffe (z. B. DDoS-Angriffe)
Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) überfluten Server mit Datenverkehr, um Online-Spiele lahmzulegen, was zu Ausfallzeiten, Spielabbrüche, wirtschaftliche Verluste, Imageschäden und unzufriedenen Spielern führt
Hauptsächlich betroffenes Genre: Online-Multiplayer-Spiele, MMO, Shooter
Maßnahmen
Verwendung von CDN-Diensten: Content Delivery Networks wie Cloudflare oder Akamai können den Datenverkehr verteilen und bösartige Anfragen filtern, wobei jede zusätzliche Software auch den Angriffsvektor erhöht 😉
Traffic-Monitoring: Echtzeitüberwachung des Netzwerkverkehrs mit Tools wie Splunk oder Wireshark, um ungewöhnliche Muster frühzeitig zu erkennen.
Skalierbare Serverinfrastruktur: Einsatz von Cloud-Lösungen (z. B. GCP,  AWS, Azure), die automatisch auf erhöhte Last reagieren – Vor und Nachteile von Cloud-Services sind ein separates Thema
Rate Limiting: Begrenzung der Anfragen pro IP-Adresse, um Überlastungen zu verhindern
Traffic-Filter und Load Balancing sichern gegen Failover ab, auch eine skalierfähige Server-Infrastruktur und natürlich Backups (real time)
 
2. Bedrohung: Account Hacking
Hacker übernehmen Spieler-Accounts durch Phishing, Credential Stuffing oder Schwachstellen in der Authentifizierung
Hauptsächlich betroffenes Genre: Online-Multiplayer-Spiele, MMO, Shooter
Maßnahmen:
Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA): Verpflichtende 2FA für alle Konten, z. B. durch Authenticator-Apps
Passwortrichtlinien: Erzwingen von einzigartigen Passwörtern
Verschlüsselte Datenübertragung: Verwendung von HTTPS und TLS
Account Sicherheit durch salted Hashes
Begrenzen von Login-Versuchen
OAuth für Drittanbieter-Logins
 
3. Bedrohung: Cheating und Exploits
Spieler nutzen Hacks, Bots oder Modifikationen, um sich Vorteile zu verschaffen (z. B. Aim-Bots, Wallhacks). Unfairer Wettbewerb, Frustration der Spieler, Vertrauensverlust, negative Rezensionen, geringere Spielerbindung sind die Folge.
Hauptsächlich betroffenes Genre: Shooter, Battle Royale, MMORPGs, MOBA
Maßnahmen:
Anti-Cheat-Software: Implementierung von Tools wie Easy Anti-Cheat oder BattlEye, die verdächtiges Verhalten erkennen und blockieren
Serverseitige Validierung: Sicherstellen, dass kritische Spielmechanik nur auf dem Server nicht auf dem Client validiert wird. Analyse der Eingabe, um Humans zu erkennen. Nutzen von verschleiertem Code; dieser erschwert Reverse Engineering
Regelmäßige Updates: Schnelles Patchen von Exploits und Sicherheitslücken im Spielcode, wenn man nicht „so sauber“ programmiert hat 😉
Verhaltensanalyse: Überwachung von Spielerdaten, um unnatürliche Muster (z. B. perfekte Trefferquoten) zu erkennen – Berücksichtigung von GDPR
 
4. SQL-Injection und Code-Injection
Manipulation von Spielinhalten, Diebstahl von Nutzerdaten, dauerhafte Sicherheitslücken
Hauptsächlich betroffenes Genre: MMORPGs, Mobile Games mit Online-Funktionen
Maßnahmen
Eingabevalidierung (z.B. Whitelisting)
Verwendung vorbereiteter SQL-Statements, um Usereingaben nicht direkt in SQL-Strings einzubetten
regelmäßige Sicherheitsprüfungen, Code-Obfuscation
 
5. Bedrohung: Datenlecks und Datenschutzverletzungen
Persönliche Daten von Spielern (z. B. E-Mail-Adressen, Zahlungsinformationen) könnten durch Schwachstellen genutzt werden, damit Verlust von Spielfortschritten und Käufen, Reputationsverlust.
Hauptsächlich betroffenes Genre: MMORPGs, Free-to-Play mit Mikrotransaktionen
Maßnahmen:
Verschlüsselung sensibler Daten mit AES-256-Verschlüsselung und Hashing von Passwörtern mit z.B. bcrypt
Regelmäßige Sicherheitsaudits: Penetrationstests und Code-Reviews von Externen
Zugriffskontrollen: Einschränkung des Zugriffs auf Datenbanken nur für Autorisierte
Implementierung von Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA), Rate Limiting bei Login-Versuchen, Hashing und Salting von Passwörtern
 
6. Social Engineering
Manipulation von Spielern oder Support-Mitarbeitern zum Zweck des unberechtigten Zugriffs auf Spielerkonten, Spielsysteme
Hauptsächlich betroffenes Genre: Alle Online-Spiele mit Community-Funktion
Maßnahmen:
Schulungen für Support-Teams
Implementierung von Sicherheitsfragen
Sensibilisierung der Spieler durch Warnmeldungen
 
7. Bedrohung: Keylogger und Trojaner
Diebstahl von Anmeldedaten und Zahlungsinformationen, dadurch finanzieller Schaden für Spieler und in Folge Hersteller
Hauptsächlich betroffenes Genre: MMORPGs, Battle Royale, Free-to-Play-Spiele
Maßnahmen:
Erkennung von verdächtigen Programmen durch Verhaltensanalysen (natürlich GDPR-konform)
Sicherheitswarnungen an Spieler
Nutzen von In-Game-Virtual-Keyboards
Verschlüsselung der Eingaben lokal und serverseitig
 
8. Bedrohung: Account-Sharing und -Handel
Verlust von Spieleridentität, Risiko von Betrug und Phishing, Umgehung von Bann-Systemen
Hauptsächlich betroffenes Genre: MMORPGs, MOBAs, Battle Royale
Maßnahmen:
Strenge Durchsetzung von Nutzungsbedingungen
Verifizierung von Account-Besitzern
Sperrung von Drittanbieter-Handelsplattformen
 
9. Exploits in Mikrotransaktionen
Ausnutzen von Schwachstellen, um Transaktionen durchzuführen, so dass Spieler geschädigt, Premium-Inhalte entwertet werden
Hauptsächlich betroffenes Genre: Mobile Games, Free-to-Play-Spiele
Maßnahmen:
Implementierung von Anti-Fraud-Systemen
Monitoring von verdächtigen Transaktionen
Webhooks direkt vom Zahlungsanbieter
 
10. Insider-Bedrohungen (Mitarbeiter mit Zugriff auf vertrauliche Daten)
Unautorisierte Änderungen am Spiel gehen mit wirtschaftlichem Schaden und Reputationsverlust einher
Hauptsächlich betroffenes Genre: alle
Maßnahmen:
Zugangsbeschränkungen (Least-Privilege-Prinzip) und Protokollierung
regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen
Schulungen für Mitarbeiter zur Sensibilisierung
 
11. Bedrohung: Technische KI-Bedrohungen
KI-Technologien werden missbraucht, z. B. zur Erstellung intelligenter Cheating-Bots, Deepfake-Phishing oder zur Automatisierung von Angriffen
Hauptsächlich betroffenes Genre: MMORPGs, Free-to-Play-Spiele, Mobile Games
Maßnahmen:
KI-basierte Erkennung: Einsatz von Machine-Learning-Modellen, um ungewöhnliches Verhalten (z. B. KI-Cheats) zu identifizieren, basierend auf Trainingsdaten von legitimen Spielern (GDPR !)
Verifizierung von Nutzern: Biometrische oder verhaltensbasierte Authentifizierung (z. B. Analyse von Tipp- oder Mausbewegungen), um Deepfakes zu erschweren
Sandboxing: Ausführung von Spiel-Clients in isolierten Umgebungen, um Manipulationen durch KI-Tools zu erkennen
Zero-Trust-Ansatz: Keine Links oder Anhänge in offizieller Kommunikation erlauben, die nicht durch einen verifizierten In-Game-Kanal bestätigt werden
KI-gestützte Sicherheitsüberwachung: Nutzung von KI zur Analyse von
Netzwerkverkehr oder Spieleraktionen, um Bedrohungen proaktiv zu bekämpfen
Honeypots, um KI-Bots zu „fangen“
Trainieren der eigenen KI mit Phishing-Datensätzen
 
12. Bedrohung: Monetarisierungsbetrug
Spieler nutzen gestohlene Kreditkarten oder manipulierte Zahlungssysteme, um In-Game-Käufe zu tätigen.
Hauptsächlich betroffenes Genre: MMORPGs, Battle Royale, Free-to-Play-Spiele
Maßnahmen:
Transaktionsüberprüfung: Implementierung von Fraud-Detection-Systemen (z. B. Stripe Radar)
Rückbuchungsmanagement: Einschränkung von Käufen bei neuen Konten ohne verifizierte Zahlungsmethoden.
Verifizierte Zahlungsmethoden: Anforderung einer zusätzlichen Authentifizierung (z. B. 3D Secure) für Transaktionen
 
13. Bedrohung: Reverse Engineering und Code-Manipulation
Angreifer analysieren den Spielcode (z. B. durch Disassemblierung oder Debugging), um Schwachstellen zu finden, Cheats zu entwickeln oder proprietäre Algorithmen zu stehlen
Hauptsächlich betroffenes Genre: Mobile Games, Free-to-Play-Spiele
Maßnahmen:
Code-Obfuscation: Einsatz von Tools wie Dotfuscator, um den Code unlesbar zu machen und Reverse Engineering zu erschweren
Anti-Debugging-Techniken: Client-Schutzmechanismen (z. B. Prüfung auf Debugger wie Cheat Engine), die das Spiel beenden, wenn Manipulation erkannt wird
Dynamische Verschlüsselung: Verwendung von Laufzeitverschlüsselung für sensible Teile des Codes
Integritätsprüfung: Hash-basierte Überprüfung der ausführbaren Dateien auf dem Client, um sicherzustellen, dass keine Änderungen vorgenommen wurden.
 
14. Bedrohung: Man-in-the-Middle-Angriffe (MitM)
Angreifer fangen Netzwerkverkehr zwischen Client und Server ab, um Daten wie Spieleraktionen oder Authentifizierungs-Token zu manipulieren oder auszuspähen.
Hauptsächlich betroffenes Genre: Online-Spiele
Maßnahmen:
End-to-End-Verschlüsselung: Verwendung von TLS 1.3 für alle Netzwerkverbindungen mit starken Cipher-Suiten (z. B. ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384).
Zertifikatspinning: Implementierung von HTTP Public Key Pinning (HPKP) oder Certificate Transparency, um gefälschte Zertifikate zu verhindern.
Signierte Pakete: Digitale Signaturen für jedes Datenpaket mit asymmetrischer Kryptographie
VPN-Unterstützung: Optionaler Einsatz eines integrierten VPN-Dienstes im Spielclient, um sensible Verbindungen zusätzlich abzusichern
 
15. Bedrohung: Supply-Chain-Angriffe
Angreifer kompromittieren Drittanbieter-Bibliotheken, Plugins oder Entwicklungstools (z. B. SDKs)
Maßnahmen:
Vertrauenswürdige Quellen: Nutzung ausschließlich verifizierter und geprüfter Bibliotheken von offiziellen Repositories
Statische Code-Analyse: Einsatz von Tools wie SonarQube
Sandboxing: Ausführung von Drittanbieter-Code in isolierten Umgebungen während der Entwicklung
Build-Integrität: Verwendung von reproduzierbaren Builds und Signaturen (z. B. mit GPG)
 
16. Bedrohung: In-Game-Wirtschaftsmanipulation
Angreifer manipulieren virtuelle Ökonomien.
Hauptsächlich betroffenes Genre: alle Games mit finanziellem Impact
Maßnahmen:
Serverseitige Transaktionslogs möglichst mit Zeitstempel und Prüfsumme
Rate-Limiting
Einsatz von Signaturen zur Prüfung der Rechtmäßigkeit des Trades
 
17. Bedrohung: Botnetze
Angreifer setzen Botnetze ein, um Ressourcen zu farmen, Matches zu manipulieren oder Werbung zu missbrauchen
Hauptsächlich betroffenes Genre: alle Games
Maßnahmen: ähnlich zu KI-Maßnahmen
Analyse von Eingabemustern
Honeypots
Netzwerk-Fingerprinting
Sog. Proof-of-Work
 
18. Toxizität und Belästigung
Beleidigungen im Chat, gezieltes Griefing oder Doxxing durch Social Engineering
Hauptsächlich betroffenes Genre: ESports, Shooter, RPG
Maßnahmen:
Moderation
Identitätsprüfung
Keyword-Blacklists
 
Fazit: So schützt du als Entwickler/Hersteller dein Game – und deine Spieler
Die Bandbreite an Bedrohungen im Online-Gaming ist mittlerweile beachtlich: Von klassischen Cyberangriffen über smarte Bots bis hin zu KI-gestützten Hacks und Insider-Risiken ist alles dabei. Für Entwickler heißt das: Eine einfache Firewall reicht längst nicht mehr. Stattdessen sollte man auf ein mehrstufiges Sicherheitskonzept setzen – Stichwort Defense-in-Depth. Also: präventive, detektierende und reaktive Maßnahmen kombinieren. Und da gehört neben den konkreten Maßnahmen für das Gaming auch die Infrastruktur dazu. Betreibst du es selbst, nutzt du Cloud-Provider wie GCP,AWS, Azure etc.. Wie es real aussieht, hängt stark davon ab, mit welchen Tools und Plattformen man arbeitet – ob Unity oder Unreal, ob eigene Server oder Kubernetes-Cluster. Und natürlich spielt auch das Budget eine Rolle.
Wichtig: Mach dir vorher ein klares Bild vom Risiko. Was kann passieren, wie wahrscheinlich ist es – und was würde es dich (oder dein Studio) im schlimmsten Fall kosten? Solche Überlegungen helfen dabei, Prioritäten zu setzen.
Unterstützend wirken hier Schwachstellendatenbanken (CVE), die regelmäßig Sicherheitslücken in gängiger Software dokumentieren. Und wer es richtig ernst meint, kommt um ein gutes SIEM-System kaum herum – das übernimmt die smarte Überwachung deiner Infrastruktur und liefert im besten Fall frühzeitig Warnsignale. Und ja: 24/7-Monitoring ist Pflicht, besonders wenn du ein Spiel betreibst oder vom Cloud-Anbieter betreiben lässt, in dem es um Echtgeld, kompetitives Gameplay oder digitale Items geht. Denn am Ende gilt:
Sicherheit ist kein Feature – es ist ein fester Bestandteil deiner Game-Architektur, ansonsten Game Over…

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